Mentaltraining bei Endometriose - der Gamechanger, über den kaum jemand spricht
- Lisa Hochstrasser
- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Es beginnt oft an einem Punkt, den viele nur ungern aussprechen: Du hast schon unglaublich viel gemacht – und trotzdem fühlt es sich nicht so an, als wärst du wirklich dort angekommen, wo du sein möchtest.
Du kennst dich aus.
Du weisst, was dir guttun würde.
Du hast Dinge ausprobiert, vielleicht auch durchgezogen.
Und doch bleibt da diese leise Frustration.
Warum fällt es so schwer, das, was man weiss, auch wirklich zu leben?
Warum greifen Atemübungen genau dann nicht, wenn der Schmerz da ist?
Warum fühlt sich „Grenzen setzen“ eher wie ein zusätzlicher Stressfaktor an, statt wie Erleichterung?
Warum klingt Entspannung zwar logisch – aber im Alltag fast unerreichbar?
Genau hier beginnt das, worüber viel zu wenig gesprochen wird.
Wir leben in einer Welt, in der Lösungen oft körperlich gedacht werden. Und das ist auch richtig und wichtig! Endometriose ist eine körperliche Erkrankung – und sie braucht körperliche Ansätze.
Aber was oft fehlt, ist das Verständnis dafür, dass dein System nicht nur aus deinem Körper besteht.
Dein Nervensystem.
Deine Gedanken.
Deine inneren Muster.
Sie laufen immer mit.
Und wenn dein System über Jahre gelernt hat, im Alarmmodus zu funktionieren, dann reicht Wissen allein nicht aus, um das zu verändern.
Viele Dinge wirken auf den ersten Blick banal.
Atemübungen?
„Ja, ist sicher nett… aber bringt mir das wirklich etwas, wenn ich Schmerzen habe?“
Grenzen setzen?
„Ich weiss ja, dass ich das sollte… aber es fühlt sich nicht realistisch an.“
Entspannung?
„Klar wäre das gut… aber wann bitte? Und wie soll ich da überhaupt hinkommen, wenn mein Kopf nicht still ist?“
Diese Gedanken sind nicht das Problem. Sie sind logisch.
Denn dein System bewertet Dinge nicht danach, ob sie theoretisch sinnvoll sind – sondern danach, ob sie sich sicher anfühlen.
Und genau hier liegt der Knackpunkt.
Wenn du jahrelang funktioniert hast, über deine Grenzen gegangen bist, Schmerzen ausgehalten hast, vielleicht auch immer wieder das Gefühl hattest, nicht ganz verstanden zu werden – dann ist dein System darauf programmiert, wachsam zu sein.
Es ist nicht „gegen dich“.
Es versucht, dich zu schützen.
Aber dieser Schutz zeigt sich oft als:
innere Anspannung
ständiges Mitdenken
Kontrollbedürfnis
Erschöpfung
Frustration
Und genau aus diesem Zustand heraus wirken viele Tools plötzlich wirkungslos.
Nicht, weil sie es sind. Sondern weil dein System sie (noch) nicht annehmen kann.
Und genau hier kommt Mentaltraining ins Spiel.
Nicht als weiteres „Du solltest noch…“
Nicht als zusätzliche To-do auf deiner Liste.
Sondern als Raum, in dem du lernst, wie Veränderung überhaupt möglich wird.
Denn Mentaltraining bedeutet nicht, dass du dich zwingst, anders zu denken.
Es bedeutet, dass du verstehst, wie dein inneres System funktioniert – und beginnst, es Schritt für Schritt neu auszurichten.
Stell dir vor, dein Nervensystem ist wie ein Muskel, der über Jahre angespannt war.
Du kannst nicht erwarten, dass er sich entspannt, nur weil du einmal tief durchatmest.
Aber du kannst lernen, ihm Sicherheit zu geben. Ihm neue Erfahrungen zu ermöglichen.
Ihn langsam umzuprogrammieren.
Und genau das passiert im Mentaltraining.
Plötzlich wird eine Atemübung nicht mehr zu etwas, das du „auch noch machen solltest“, sondern zu etwas, das dein Körper tatsächlich annehmen kann.
Grenzen setzen fühlt sich nicht mehr wie ein Kampf an, sondern wie etwas, das aus einer inneren Klarheit heraus entsteht.
Entspannung ist nicht mehr nur ein Konzept, sondern etwas, das du wirklich spüren kannst.
Und ja – das passiert nicht über Nacht.
Aber es passiert.
Leise.
Nachhaltig.
Ehrlich.
Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird: die Kraft der Gruppe.
Viele Frauen mit Endometriose tragen unglaublich viel alleine.
Gedanken, Zweifel, Fragen, Unsicherheiten.
Und auch wenn man sich Wissen aneignet – es fehlt oft der Raum, in dem man wirklich sein darf.
In einem Gruppensetting entsteht genau dieser Raum.
Du hörst andere und denkst plötzlich: „Das bin nicht nur ich.“
Du spürst Verständnis, ohne viel erklären zu müssen.
Und dein System beginnt, sich zu entspannen – nicht, weil alles perfekt ist, sondern weil du dich nicht mehr allein fühlst.
Diese Erfahrung ist tief.
Und sie verändert mehr, als man oft erwartet.
Mentaltraining wirkt auch dort, wo viele an ihre Grenzen kommen:
bei Schmerzen, die sich verstärken, sobald Stress dazukommt
bei dieser Müdigkeit, die nicht nur körperlich ist.
bei der Frustration, wenn Dinge nicht so funktionieren, wie man es sich wünscht.
Es verändert nicht unbedingt sofort die äusseren Umstände.
Aber es verändert, wie dein System damit umgeht.
Und genau das ist oft der Schlüssel.
Vielleicht ist es genau das, was bisher gefehlt hat.
Nicht noch mehr Wissen.
Nicht noch mehr Disziplin.
Sondern ein Zugang zu dir selbst, der wirklich funktioniert.
Ein Raum, in dem du nicht leisten musst.
Sondern verstehen darfst.
Und von dort aus neue Wege gehen kannst.
Mentaltraining ist kein „Extra“. Es ist das Bindeglied zwischen allem, was du schon weisst –und dem, was du wirklich leben kannst.
Und vielleicht beginnt genau dort die Veränderung, die du dir schon lange wünschst.
Ich würde mich freuen, dich ein Stück dabei zu begleiten.
von Herz zu Herz
endoli | lisa hochstrasser




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