Meine Endometriose-Geschichte | Teil 9 – Jetzt wird alles gut
- Lisa Hochstrasser
- 15. März
- 3 Min. Lesezeit
Neun Monate nach meiner letzten grossen Operation war es so weit. Nicht nur ein Datum im Kalender, sondern ein innerer Wendepunkt. Die Entscheidung für die Hysterektomie war nicht plötzlich gefallen. Sie war langsam gewachsen – mit jeder schlaflosen Nacht, mit jedem Schmerz, der mich auf den Boden zwang, und mit jedem Moment, in dem mir klar wurde: So kann ich nicht weiterleben.
Ich hatte lange gezögert, gezweifelt und getrauert. Denn diese Entscheidung bedeutete mehr als nur einen medizinischen Eingriff. Sie bedeutete Abschied – von einem Teil meines Körpers, von einer Möglichkeit, von einer Zukunft, die ich mir einmal anders vorgestellt hatte. Die Kinderplanung war beendet, nicht weil mein Herz es so wollte, sondern weil mein Körper nicht mehr konnte. Das tat weh. Still, tief und lange.
Gleichzeitig war da diese andere Stimme in mir. Leise, aber bestimmt. Sie sagte: Du darfst dir ein Leben ohne ständigen Schmerz wünschen. Dieses Mal war vieles anders. Dieses Mal hatten wir geplant. Wir sorgten dafür, dass ich mindestens zwei Wochen Unterstützung zu Hause haben würde – jemand, der sich um unsere Tochter kümmerte, jemand, der da war, wenn ich es selbst nicht konnte.
Auch medizinisch war ich besser vorbereitet. Die Beckenbodenphysiotherapie war bereits verschrieben, und auch die Narkose wurde im Voraus ausführlich besprochen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, gerade bei längeren Operationen. Man hatte mir vorgeschlagen, eine Teilnarkose mit einer Vollnarkose zu kombinieren, weil das wiederholte Nachspritzen von Narkosemitteln für den Körper sehr anstrengend sein kann. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, nicht einfach nur durchzumüssen, sondern wirklich begleitet zu werden.
Diese Monate waren geprägt von inneren Kämpfen – zwischen Hoffnung und Angst, zwischen Loslassen und Festhalten, zwischen Trauer und Erleichterung. Ich stellte mir oft vor, wie es sein könnte, ohne diese dauernde Wachsamkeit, ohne die Angst vor jeder Bewegung, ohne die ständige Unsicherheit, wann die nächste Schmerzwelle kommt. Ein Leben mit mehr Leichtigkeit. Mehr Freiheit. Mehr ich.
Und irgendwann wusste ich: Ich bin bereit. Nicht, weil ich keine Angst mehr hatte, sondern weil der Wunsch nach einem schmerzärmeren Leben grösser geworden war als die Angst.
Am Tag der Operation war ich ruhig. Ungewöhnlich ruhig. Mein Mann liess mich unten vor dem Spital aussteigen. „Ich schaffe das schon alleine“, sagte ich. „Du kannst später nachkommen.“ Es war kein Wegstossen, sondern ein inneres Aufrichten. Ein stilles: Ich trage das jetzt für mich.
Denn in meinem Kopf war es klar: Jetzt wird alles gut.
Ich ging alleine hinein, mit einer leisen Hoffnung im Herzen, die ich mir kaum traute laut auszusprechen. Keine Nächte mehr auf dem Boden. Keine Angst mehr vor dem Toilettengang. Keine Schmerzwellen, die mich aus dem Leben rissen. Nur Ruhe. Nur Atmen. Nur Sein.
Im Wartebereich war es still – dieses typische Krankenhaus-Still, ein Ort voller Geschichten, die niemand sieht. Ich sass da, atmete ein und aus, und zum ersten Mal seit Langem fühlte ich so etwas wie Vertrauen. Nicht in einen perfekten Ausgang, aber in mich.
Ich wusste, dass diese Operation nicht alles lösen würde. Aber sie war ein Schritt. Ein Schritt weg vom Aushalten.
Ich dachte an all das, was hinter mir lag – die Schmerzen, die Zweifel, das Funktionieren, das Starksein-Müssen. Und ich dachte an das, was vor mir lag: ein neues Kapitel, ungewiss, aber hoffnungsvoll.
Als sie meinen Namen aufriefen, stand ich auf. Langsam. Vorsichtig. Mit klopfendem Herzen. Und mit einem klaren Gedanken: Das hier ist mein Neuanfang.
Ich liess los. Die Kontrolle, die Anspannung, die ständige Wachsamkeit gegenüber meinem Körper. Denn heute, so sagte ich mir, heute wird alles gut.
von Herz zu Herz
endoli | lisa hochstrasser



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