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Meine Endometriose-Geschichte | Teil 7 – Wieder zu Hause, aber nicht wirklich zurück

Ich war wieder zu Hause. Und trotzdem fühlte sich nichts nach „ankommen“ an.

Wir hatten nichts wirklich geplant für die Zeit nach der Operation. Kein fester Plan für den Haushalt, keine Unterstützung für unser Kind, keine klare Struktur. In meinem Kopf war alles einfach gewesen: Die OP würde drei Stunden dauern, ich würde mich erholen – und dann irgendwie wieder funktionieren.


Doch mein Körper hatte andere Pläne.


Ich merkte schnell, dass ich nicht so fit war, wie ich es mir eingeredet hatte. Aber wie immer riss ich mich zusammen. Ich wollte nicht jammern. Nicht schwach wirken. Keine Last sein – für niemanden. Nicht einmal für mich selbst.


Etwas war anders. Auf der Oberfläche meines Oberschenkels spürte ich nichts mehr. Keine Berührung. Keine Wärme. Keine Hitze. Nur Leere. Es fühlte sich fremd an. Und trotzdem sagte ich nichts. Mit Verlusten muss man halt rechnen, dachte ich. Das ist wohl der Preis.


Nicht das Bein verunsicherte mich – das war mir fast egal.

Es waren die Schmerzen. Diese Schmerzen, die immer noch in mir waren.


Sie waren das, was mir wirklich Angst machte. Weil sie mir zeigten, dass die Operation nicht das Ende gewesen war. Dass mein Körper noch immer kämpfte – und ich nicht wusste, wogegen.

Das taube Gefühl im Bein konnte ich akzeptieren. Aber dass der Schmerz geblieben war, traf mich tief. Denn genau davor hatte ich mich so sehr gefürchtet.


Ich hatte keine Physiotherapie, keine gezielte Nachbetreuung, keinen klaren Plan für meinen Körper. Also erklärte ich mir selbst, dass ich einfach zu schwach sei. Dass ich mich nur mehr zusammenreissen müsse.


In unserem Alltag war klar verteilt, wer arbeiten ging und wer zu Hause war. Mein Mann arbeitete zu 100 %, ich selbst war zu 40 % berufstätig und übernahm den grössten Teil von Haushalt und Kind. Es war selbstverständlich, dass das Leben weiterlief – und dass ich mitlief.


Ich hatte das Gefühl, einfach funktionieren zu müssen. Nicht, weil jemand es laut aussprach, sondern weil der Alltag es verlangte. Einer musste ja den finanziellen Teil tragen – und jemand musste den Rest auffangen.


Auch bei der Arbeit war es schwer. Ich hatte oft Angst, überhaupt zu erscheinen. Aber ich konnte ja nicht immer krank sein. Die Arbeit musste erledigt werden – so wie alles andere in meinem Leben.


Die Schmerzmittel halfen.

Zumindest so, dass ich da sein konnte.


Ich weiss noch, wie mich eine Arbeitskollegin ansah, lachte und sagte: „Lisa, wie viele Schmerzmittel hast du genommen? Du siehst richtig gestoned aus.“


Wir lachten beide.

Und ich antwortete scherzhaft: „Haha, ja – aber so kann ich arbeiten.“


Wir lachten.

Doch eigentlich war es das Gegenteil.


Also machte ich weiter. Auch wenn mein Körper etwas anderes sagte.

Mit der Zeit wurde es tatsächlich etwas besser. Mein Körper erholte sich langsam. Aber die Schmerzen – die blieben.


Der Kaktus in mir war immer noch da. Diese stechende, unberechenbare Kraft, die mir genau vorschrieb, wie ich aufstehen durfte, wie ich mich bewegen musste. Eine falsche Bewegung – und eine Schmerzwelle überrollte mich, so stark, dass ich sie kaum kontrollieren konnte.


Auch der Gang zur Toilette war jedes Mal ein Risiko.

Immer wieder lag ich vor Schmerz gekrümmt am Boden, mir war übel, mein Körper zitterte.


Und ich fragte mich: Warum?

Warum sind die Schmerzen noch da?

Was konnte mir jetzt noch helfen – ausser Schmerzmitteln und dem stillen Erdulden dieser Schübe?


Ich war müde.

Nicht nur körperlich.

Auch seelisch.


Ich wusste nicht, wie lange ich diese Kraft noch aufbringen konnte. Aber ich wusste, dass ich sie irgendwie finden musste. Für mein Kind. Für den Alltag. Für das Leben, das weiterging.


Auch wenn mein Körper noch nicht bereit war, ging ich weiter.

Schritt für Schritt.


von Herz zu Herz

endoli | lisa hochstrasser

 

 

 

 

 
 
 

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