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Und wo kommst du eigentlich vor?

17. Okt.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Okt.

Prioritäten zu setzen ist für mich eigentlich nichts Neues. Ich plane mein Jahr ziemlich bewusst. Im Oktober sitze ich normalerweise schon an der Planung für das kommende Jahr und überlege, wann ich wofür Zeit haben möchte. Arbeit, endoli, Termine, Auszeiten, Ideen, Familie und natürlich auch freie Zeit. Anfang November weiss ich meistens ziemlich genau, wo mein Jahr ungefähr hinführen soll. Natürlich wird später immer wieder etwas verschoben – aber ich mag es, einen Rahmen zu haben.


Aber dann haben wir ja noch Endometriose....😅


Du kannst deinen Kalender noch so schön planen, deine Energie einteilen und dir überlegen, wann du wofür Zeit haben möchtest. Und dann kommt ein Schub, eine Schmerzphase oder diese bleierne Erschöpfung und sagt ziemlich deutlich: Heute nicht.


Genau das hat mich dieses Jahr noch einmal ganz neu über meine Prioritäten nachdenken lassen.

Ich hatte irgendwann das Gefühl: Jetzt geht es mir gut. Jetzt kann ich wieder durchstarten. Ich hatte Lust, Dinge anzupacken, Ideen umzusetzen und vielleicht auch ein bisschen nachzuholen.

Dann wurden meine Symptome wieder stärker. Dazu kam ein Medikamentenwechsel mit deutlich mehr Nebenwirkungen, als ich erwartet hatte. Aus „das geht schon, sind ja nur zwei Wochen“ wurde eine längere Phase, in der meine Energie einfach nicht mehr dieselbe war.


Und plötzlich musste ich nicht besser planen. Ich musste genauer hinschauen.


Denn genau dafür finde ich einen guten Plan so hilfreich. Nicht, damit alles genau so passiert, wie ich es einmal aufgeschrieben habe. Sondern damit ich überhaupt sehe, was vor mir liegt.

Dabei arbeite ich übrigens gerne mit dem Eisenhower-Prinzip. Früher dachte ich: Wie mühsam und unromantisch. Heute ist es irgendwie mein bester Kumpel geworden. 😉


Denn wenn ich die Dinge vor mir sehe, kann ich viel leichter unterscheiden: Was ist wichtig? Was ist dringend? Was kann warten? Was kann jemand anderes übernehmen? Und was muss vielleicht gar nicht gemacht werden?


Ohne diesen Überblick fühlt sich schnell alles gleich wichtig an. Alles liegt gleichzeitig im Kopf, alles scheint noch erledigt werden zu müssen und plötzlich entsteht dieses Gefühl: Es ist einfach alles zu viel.


Ein guter Plan kann genau da Ruhe hineinbringen. Er macht sichtbar, dass nicht alles heute passieren muss.


Denn manchmal passiert genau das Gegenteil: Man versucht, alles unterzubringen. Arbeit, Familie, Haushalt, Termine, Dinge, die noch erledigt werden müssen, Menschen, für die man da sein möchte, Projekte, die einem wichtig sind. Man schiebt, quetscht und optimiert, bis irgendwie alles seinen Platz gefunden hat.


Und plötzlich sitzt man auf dem Sofa. Oder im Auto. Oder liegt abends im Bett.


Und denkt: Mist. Und wo bin eigentlich ich?


Vielleicht ist genau das eine Frage, die wir uns viel öfter stellen sollten. Nicht erst dann, wenn gar nichts mehr geht, sondern schon vorher.


Wo komme ich in meinem eigenen Plan vor?

Was brauche ich, damit nicht nur alles andere irgendwie Platz findet, sondern auch ich?

Dabei gibt es allerdings nicht den einen richtigen Plan. Und auch nicht die eine richtige Reihenfolge von Prioritäten. Denn unsere Prioritäten entstehen aus unseren persönlichen Werten. Und die sind bei jedem Menschen anders.


Das merke ich manchmal an ganz banalen Dingen. Ich würde zum Beispiel meine Wände sehr gerne streichen, vor allem im Schlafzimmer. Aber im Moment ist mir der Aufwand dafür schlicht zu gross.


Also habe ich nach einer anderen Lösung gesucht. Bilderleisten, Bilder, Pflanzen – zack. Viel weniger Aufwand, viel schneller gemacht und trotzdem gefällt es mir richtig gut.


Die Wand ist zwar nicht gestrichen. Aber ich habe trotzdem etwas verändert, das mir wichtig war.

Und genau da wird es spannend: Vielleicht ist das Streichen einer Wand für jemand anderen nämlich tatsächlich sehr wichtig. Dann geht es nicht darum zu sagen: „Ach, ist doch nur eine Wand.“


Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Wie wichtig ist es mir wirklich – und was könnte dafür Platz machen? Vielleicht kann etwas anderes verschoben werden. Vielleicht kann etwas wegfallen. Vielleicht gibt es eine einfachere Variante. Oder vielleicht stelle ich fest: Für mich ist es doch nicht wichtig genug und ich lasse es bleiben.


Beides ist völlig okay!


Denn Prioritäten sind persönlich. Es gibt nicht die eine richtige Reihenfolge und auch nicht die eine richtige Lösung. Unsere Werte, unsere Lebenssituationen und unsere Energie sind unterschiedlich.

Die Frage ist deshalb nicht: Was sollte mir wichtig sein?


Sondern: Was ist mir tatsächlich wichtig – und wie kann ich dem mit den Möglichkeiten, die ich gerade habe, Raum geben?


Und gerade mit Endometriose wird diese Frage noch relevanter.

Unsere Energie ist nicht unendlich. Wenn sie begrenzt ist, müssen wir manchmal bewusster entscheiden, wofür wir sie einsetzen möchten. Manchmal ist etwas für uns sehr wichtig und trotzdem gerade nicht möglich. Wenn Endometriose dafür sorgt, dass etwas nicht stattfinden kann, bedeutet das nicht automatisch, dass es uns weniger wichtig geworden ist.


Nicht alles, was du nicht tun kannst, ist dir unwichtig.


Vielleicht braucht es einen anderen Zeitpunkt, eine andere Form oder einen anderen Weg. Vielleicht muss dafür etwas anderes im Kalender weichen.

Und manchmal ist die Pause selbst die Priorität.


Dieses Jahr habe ich mir zum Beispiel zum ersten Mal zwei Wochen Herbstferien genommen. Auch meine geplante Social-Media-Pause habe ich von einer auf zwei Wochen verlängert.

Nicht, weil plötzlich alles erledigt gewesen wäre. Sondern weil ich gemerkt habe, dass diese Pause gerade wichtig ist.


Und trotzdem möchte ich mein Leben nicht kleiner planen, nur weil ich Endometriose habe.

Ich möchte weiterhin Pläne machen. Ich möchte mich auf Dinge freuen, lernen, Neues ausprobieren und endoli weiterentwickeln.


Für 2027 habe ich bereits Weiterbildungen eingeplant. Das Angebot von endoli wächst weiter. Es wird neue Online-Auszeiten zur Entspannung geben, den monatlichen Walk and Talk und kreative Angebote, weil nicht alles, was uns guttut, mit Reden und Denken zu tun haben muss.

Vielleicht wird alles genau so funktionieren, wie ich es geplant habe.


Vielleicht auch nicht.


Und wenn Endometriose dazwischenkommt, dann schaue ich eben neu. Ich verschiebe, passe an, lasse etwas weg oder gebe etwas anderem mehr Raum.


Aber ich möchte nicht aufhören zu planen.

Ich möchte mir meine Wünsche nicht von Endometriose wegnehmen lassen.


Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, weniger zu träumen oder weniger zu planen.

Sondern darum, flexibler mit dem Weg dorthin zu werden.


Und dabei immer wieder hinzuschauen:

Was ist mir wichtig?

Was braucht gerade meine Energie?

Was darf warten?

Und wo komme ich eigentlich vor?


Denn du bist nicht das, was übrig bleibt, wenn alles andere erledigt ist.


Du bist mitten in deinem eigenen Leben.


Wenn dir genau das manchmal schwerfällt – deine Prioritäten zu erkennen, Ordnung in all die Gedanken zu bringen oder herauszufinden, was gerade wirklich Raum bekommen soll – dann melde dich für die Auszeit – Prioritäten am 31. Oktober an und komm vorbei.


Wir schauen gemeinsam genauer hin, welche Werte für dich wichtig sind, was gerade Platz in deinem Leben bekommen soll und was vielleicht auch einmal warten darf. Dabei erstellen wir deine ganz persönliche Pinnwand – eine visuelle Übersicht, die dir helfen kann, deine Gedanken, Wünsche und Prioritäten sichtbar zu machen.


Nicht als weiteren Plan, den du erfüllen musst.

Sondern als Orientierung.


Ich würde mich riesig freuen, dich dabei zu begleiten. 🤍


von Herz zu Herz

endoli | lisa hochstrasser

 
 
 

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