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Auf der Suche nach der einen Antwort

Meine Sommerpause ist vorbei.


Für endoli schreibe ich viele Texte im Voraus. Oft notiere ich Gedanken, wenn sie mir gerade in den Sinn kommen. So entsteht mit der Zeit ein kleiner Vorrat an Blogbeiträgen.


Dieser Text gehört nicht dazu.

Er ist heute Morgen entstanden.


Nicht, weil ich ihn geplant hatte, sondern weil mich meine Sommerpause an einen Gedanken erinnert hat, den ich gerne mit dir teilen möchte.


Eigentlich hatte ich einiges vor. Ich wollte neue Texte schreiben, Ideen sammeln und neue Angebote für endoli weiterentwickeln. Ich freute mich auf gemeinsame Spaziergänge, kreative Auszeiten und darauf, Ideen endlich umzusetzen.

Doch etwa die Hälfte meiner Sommerpause verlief anders als geplant.


Starke Schmerzen zwangen mich für mehrere Tage ins Bett. Aus Plänen wurden Pausen. Ideen mussten warten. Ich musste umstrukturieren, loslassen und akzeptieren, dass mein Körper gerade etwas anderes brauchte, als mein Kopf geplant hatte.


Während ich dort lag, wurde mir wieder bewusst, wie schnell Schmerz unseren Fokus verändern kann.


Vielleicht kennst du das auch. Kaum werden die Schmerzen stärker, beginnt die Suche von Neuem. Vielleicht gibt es doch noch eine weitere Möglichkeit. Vielleicht habe ich einfach noch nicht alles ausprobiert. Vielleicht wartet irgendwo doch noch die eine Antwort.


Dabei musste ich an die vielen Gespräche denken, die ich in den vergangenen Monaten mit Endometriosebetroffenen geführt habe.


Früher mussten viele Frauen mit Endometriose darum kämpfen, überhaupt ernst genommen zu werden. Und ehrlich gesagt müssen das viele auch heute noch. Wünsche werden auf später verschoben. Es heisst, man sei noch zu jung, solle zuerst noch eine weitere Therapie ausprobieren oder müsse mit gewissen Entscheidungen noch warten.

Ich weiss, dass hinter solchen Aussagen oft gute medizinische Überlegungen stehen. Und gleichzeitig kostet dieser Weg unglaublich viel Kraft.


Zum Glück hat sich in den letzten Jahren auch vieles verändert. Es gibt heute mehr Wissen, mehr spezialisierte Angebote und mehr Unterstützung als je zuvor: Physiotherapie, Ernährungsberatung, TCM, Osteopathie, Schmerztherapie, psychologische Begleitung, Mentaltraining und vieles mehr.


Ich empfinde das als etwas sehr Wertvolles. Jede dieser Möglichkeiten kann ihren Platz haben und für jemanden genau die richtige Unterstützung sein.

Und trotzdem beschäftigt mich seit einiger Zeit ein Gedanke.


Nicht die Therapien selbst erschöpfen uns. Oft ist es alles, was dazugehört: die Recherche nach neuen Möglichkeiten, das Organisieren von Terminen, die Anfahrtswege, das Warten, die eigene Geschichte immer wieder von vorne zu erzählen, die Hoffnung, dass genau diese Therapie den entscheidenden Unterschied macht – und manchmal auch die Enttäuschung, wenn sie hinter den Erwartungen zurückbleibt.


In den letzten Monaten habe ich mehrmals einen Satz gehört, der mir geblieben ist:

«Eigentlich würde ich dieses Thema gerne mit dir anschauen. Aber im Moment bin ich ehrlich gesagt einfach übertherapiert.»


Dieser Satz hat mich berührt.


Nicht, weil Therapien schlecht sind. Ganz im Gegenteil. Ich wünsche mir, dass Frauen Zugang zu möglichst vielen guten Angeboten haben. Gleichzeitig braucht jede Therapie Zeit, Aufmerksamkeit und Kraft. Und genau diese Kraft ist bei einer chronischen Erkrankung oft ohnehin schon knapp.


Vielleicht brauchen wir deshalb heute nicht nur mehr Möglichkeiten.

Vielleicht brauchen wir auch mehr Orientierung.


Einen Moment, um innezuhalten und uns zu fragen:

Was brauche ich gerade wirklich?

Was tut mir im Moment gut?

Und was darf vielleicht noch warten?


Nicht nur der Schmerz kostet Kraft.

Auch alles, was danach kommt.

Früher hätte ich versucht, möglichst schnell wieder alles aufzuholen. Ich hätte Termine nachgeholt, Versäumtes aufgearbeitet und versucht, alles irgendwie dazwischenzuquetschen.


Heute mache ich das anders.


Heute weiss ich, dass Regeneration kein Luxus ist, sondern ein wichtiger Teil meines Weges. Nach einer intensiven Schmerzphase braucht mein Körper Zeit. Nicht nur, bis die Schmerzen nachlassen, sondern auch, um wieder Vertrauen zu fassen und neue Kraft zu sammeln.


Deshalb sage ich heute auch einmal einen Termin ab.

Nicht, weil ich aufgegeben habe. Sondern weil ich bewusst entscheide, was mir in diesem Moment wirklich guttut.


Genau deshalb sind Achtsamkeit, mentale Strategien und innere Werkzeuge für mich so wertvoll. Nicht, weil sie Schmerzen verhindern oder Endometriose heilen. Sondern weil sie mir helfen, auch in schwierigen Momenten bewusst Entscheidungen zu treffen und den Kontakt zu mir selbst nicht zu verlieren.


Auch die Auszeiten bei endoli sind ein Termin im Kalender.

Und trotzdem wünsche ich mir, dass sie sich nicht wie ein weiterer Termin anfühlen.

Ich wünsche mir, dass sie ein Ort sind, an dem wir für einen Moment innehalten dürfen. Ein Ort zum Durchatmen. Ein Ort, an dem wir erzählen dürfen – aber nicht müssen. An dem Tränen genauso willkommen sind wie Lachen. An dem wir einfach sein dürfen, ohne etwas leisten zu müssen.


Ich sehe meine Auszeiten nicht als Endziel.

Wenn überhaupt, dann wünsche ich mir, dass sie ein Ort sind,

an dem wir unsere eigene Landkarte wieder sichtbar machen.

Nicht, damit ich entscheide, welchen Weg du gehen sollst.

Sondern damit du deinen eigenen Weg wieder klarer sehen kannst.


Vielleicht entsteht dort der Mut, eine neue Therapie auszuprobieren.

Vielleicht die Klarheit, auf dem eingeschlagenen Weg zu bleiben.

Vielleicht die Entscheidung, eine Pause zu machen.

Oder einfach das Vertrauen, dass nicht alles, was gut ist, gleichzeitig passieren muss.


Vielleicht gibt es sie.

Die eine Antwort. Die eine Therapie.


Ich wünsche es jeder Frau von Herzen.

Vielleicht finden wir sie.

Vielleicht auch nicht.


Doch die Suche nach der einen Antwort kann auch Druck erzeugen.

Sie weckt Hoffnung und sie ist etwas Wunderschönes.

Manchmal entsteht daraus aber auch das Gefühl, noch nicht genug getan oder noch nicht alles ausprobiert zu haben.


Deshalb wünsche ich mir nicht weniger Möglichkeiten.

Ich wünsche mir mehr Orientierung.

Mehr Wissen über uns selbst.

Mehr Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.

Und Strategien, die uns helfen, auch in schwierigen Momenten mit uns selbst in Verbindung zu bleiben.


Strategien, die nicht erst entstehen, wenn wir mitten in einer Schmerzphase stecken, sondern schon vorher. Damit wir in den Momenten, in denen alles zu viel wird, nicht zuerst nach Antworten suchen müssen, sondern wieder auf das zurückgreifen können, was wir bereits in uns tragen.


Denn vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis.

Nicht die Suche aufzugeben.


Sondern sich auf dem Weg dorthin selbst nicht zu verlieren.

Und darauf zu vertrauen, dass der nächste Schritt nicht perfekt sein muss – sondern sich für dich richtig anfühlen darf.


Von Herz zu Herz

endoli | Lisa Hochstrasser

 
 
 

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